Liebes Arschloch
Music for theater piece (2024)
for Theater Münster
by Virginie Despentes
Translated from the French by Ina Kronenberger & Tatjana Michaelis
Adapted for the stage by Victoria Weich
ca. 1 hr 25 mins
Premiere: September 13, 2024
Further performances: Sept. 18, 27, Oct. 4, 13, 18, 27, Nov. 9, 24, Dec. 8, 27, 2024
Theater Münster, Kleines Haus, Münster, Germany
German premiere (Deutsche Erstaufführung)
Direction, Set & Costumes: Ran Chai Bar-zvi
Music & Sound Design: Evelyn Saylor
Dramaturgy: Victoria Weich
Cast:
Rebecca Latté: Agnes Lampkin
Oscar Jayack: Raphael Rubino
Voice of Zoé Katana: Soraya Abtahi
Press coverage:
Die Deutsche Bühne review
Westfälische Nachrichten review
EN:
“Dear Asshole, I saw your post on Insta. You’re like a pigeon that shits on my shoulder as it flies by,” writes actress Rebecca Latté to Oscar Jayack, the man who insulted her online, saying she had “turned into a slob.” But the “sloppy, loud-mouthed bitch” reaches out. In the email exchange that follows, she confronts the crime novelist with her loneliness, aging, addictions, and her political experiences. Meanwhile, Oscar feels sorry for himself, caught up in a self-inflicted MeToo scandal. The high-caliber literary punk Despentes ensures that women are crude, angry, and smartly analytical – while the guy remains an entertaining asshole.
DE:
„Liebes Arschloch, ich habe deinen Beitrag auf Insta gesehen. Du bist wie eine Taube, die mir im Vorbeifliegen auf die Schulter kackt“, schreibt Schauspielerin Rebecca Latté an Oscar Jayack, den Mann, der sie im Netz beleidigt, sie sei „zu einer Schlampe verkommen“. Doch das „schmuddelige, laute Weibstück“ nimmt Kontakt auf. Im entstehenden E-Mail-Austausch konfrontiert sie den Krimiautor mit ihrer Einsamkeit, ihrem Älterwerden, ihren Süchten und ihrer auch politischen Lebenserfahrung. Oscar tut sich derweil selbst leid, er hat einen selbstverschuldeten MeToo-Skandal am Hals. Die hochkarätige Literaturpunkerin Despentes sorgt dafür, dass Frauen derb, wütend und dabei klug analysierend sind – und der Kerl ein unterhaltsames Arschloch.
Trailer
Comments from the press:
Mit „Liebes Arschloch“ nach Virginie Despentes‘ Roman inszeniert Ran Chai Bar-zvi am Theater Münster eine sprachlich starke Vorlage über MeToo auf einer sehr menschlichen Ebene. Die zwei Schauspieler:innen, Agnes Lampkin und Raphael Rubino, sorgen auf der Bühne für nahbare und unangenehme Nähe.
Die gegenseitige Begegnung auf der Bühne ist Dreh- und Angelpunkt, das Unwohlsein der ersten Wahrnehmung in Fleisch und Blut dehnt Bar-zvi minutenlang ohne Worte aus. Das ist witzig, bringt Identifikation mit den Figuren im Publikum.
Vor der weißen Bühne sind wir erstmal alle zu gleichen Teilen Opfer und Täter, Richter:innen und Verurteilte, zumindest in Bar-zvis Erzählweise menschlich. Der Abend entlässt innerlich zwiegespalten und nachdenklich. Ohne Schablone für den „guten“ oder „schlechten“ Menschen. Never meet your inner hero, oder eben doch, und dann vielleicht sich anfreunden.
-“Menschliche Nähe”, Martina Jacobi, Die Deutsche Bühne
Aus dem Romans „Liebes Arschloch“ von Virginie Despentes macht das Theater Münsters einen spannungsvoll-knappen Theaterabend.
Dramaturgin Victoria Weich hat den mitunter ausschweifenden Roman dazu nicht nur behutsam gekürzt – sie hat ihn eher zur dramatischen Novelle konzentriert und viele Handlungsstränge wie die Auswirkungen des Corona-Lockdowns oder die Irrwege der sozialen Netzwerke weitgehend gestrichen. Wodurch sich in spannungsvollen eineinhalb Stunden die Entwicklung einer seltsamen Freundschaft vollzieht, die stets vom Thema des Übergriffs, aber auch des Schicksals einer älter werdenden Frau grundiert wird.
Einen grandiosen Höhepunkt erfindet der Regisseur mit der Kaffeeszene: Nach einem Streit, der den Mail-Austausch fast abreißen lässt, finden Rebecca und Oscar in einem langen stummen Dialog wieder zueinander und nehmen optisch den möglichen Schluss vorweg. Was zugleich eine tolle Darbietung der beiden Schauspieler Agnes Lampkin und Raphael Rubino ist, die sich ansonsten kongenial in die langen Textpassagen einfühlen und glaubwürdige Typen verkörpern.
-“Ein furchtbar netter Täter”, Harald Suerland, Westfälische Nachrichten















